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Fermentierte Sommer-Boilies selber machen | Rezept für Karpfen & Graskarpfen

Mit den ersten wirklich warmen Tagen und dem Ende der Laichzeit kommen mir sofort die klassischen Robin-Red-Boilie-Rezepte und kompromisslosen Nut Baits in den Sinn. Doch der Wunsch nach etwas Neuem ist im Kopf eines Bait Makers immer präsent. Einerseits, weil genau das unser Spiel ist – eine Leidenschaft, die wir parallel zum Angeln pflegen – andererseits aber auch, weil ein anderer Ansatz als der Mainstream oft enorme Vorteile bringen kann.

Deshalb möchte ich euch heute ein einfaches, günstiges und äußerst effektives Boilie-Mix vorstellen, das auf einigen fermentierten und verarbeiteten Zutaten basiert. Eine Mischung, die sich perfekt für verschiedene Varianten von schnellen und selektiven Sommer-Boilies eignet.

Unser Zielfisch sind große Karpfen und auch kapitale Graskarpfen – Fische, auf die viele Angler in der warmen Jahreszeit gezielt angeln.

Die Grundidee besteht darin, eine Synergie zwischen Hakenköder und großflächigem Futterteppich zu schaffen, der aus Maisflocken sowie kleinen Hefe- und Biertreber-Pellets aufgebaut wird. Die gleiche Kombination von Zutaten findet sich – transformiert und in ihrer Attraktivität verstärkt – auch direkt in den Boilies wieder.

Diese Synergie zwischen großem Futterplatz, Boilies und Rig ist eine Strategie, auf die ich immer wieder großen Wert lege. Für mich ist das die Zukunft des Selfmade-Baitings im modernen Karpfenangeln, bei dem nichts dem Zufall überlassen wird. Gute Planung ermöglicht maximale Attraktivität bereits in den ersten Minuten einer Session und hilft gleichzeitig dabei, die Kosten im Griff zu behalten.

Wenige hochwertige Boilies kombiniert mit einem großflächigen Futterteppich aus günstigen Zutaten.

Die beiden Produkte, die ich euch empfehle, sind klassische Maisflocken aus dem Tierfutterbereich sowie Höveler-Pellets auf Basis von Hefe und Biertreber. Diese kleinen Pellets besitzen eine enorme Attraktivität, sinken schnell und lösen sich rasch auf.

Die fermentierten Pellets eignen sich außerdem perfekt für PVA-Mesh-Sticks oder kleine PVA-Bags und sind dadurch extrem vielseitig – bei einem Preis von etwa 2,50 € pro Kilo.

Kommen wir nun zur eigentlichen Zusammensetzung des Mixes. Die Basis bildet eine spezielle Verarbeitung der Maisflocken, um die Attraktivität der fermentierten und aufgespaltenen Stärke maximal zu steigern und gleichzeitig Geschmack sowie Verdaulichkeit deutlich zu verbessern.

Der Prozess besteht darin, die Maisflocken mithilfe von Bäckerhefe vorzudigieren und zu fermentieren – ganz einfach und unter Nutzung der warmen Außentemperaturen.

Für jedes Kilo Maisflocken werden 3 Liter Wasser verwendet, in denen zuvor 5–6 Gramm frische Bäckerhefe sowie 100 Gramm Zucker aufgelöst wurden.

Alles wird anschließend in einen hellen Eimer gefüllt, verschlossen und zwei Tage lang in die Sonne gestellt.

Der Behälter sollte nicht zu dunkel sein, da sich der Inhalt sonst zu stark aufheizt. Temperaturen über 50 °C würden die Hefekulturen abtöten.

Ideal wäre ein Gärspund oder ein Entlüftungsventil, ansonsten muss überschüssiges CO2 täglich manuell abgelassen werden.

Bilder des gesamten Prozesses findet ihr in der Galerie am Ende des Artikels.

Nach etwa zwei Tagen Fermentation werden die Maisflocken gründlich mit einem Tuch oder Mull ausgepresst. Die dabei entstehende Flüssigkeit wird aufgefangen und später weiterverwendet.

Die ausgepresste Masse wird anschließend auf einem Tuch in einem trockenen und gut belüfteten Raum getrocknet und danach mit einer Getreidemühle zu einem feinen, intensiv riechenden Mehl vermahlen.

Eine Getreidemühle ist ein wichtiges Werkzeug für jeden, der Pellets, Flocken oder Trockenfutter selbst zu Mehl verarbeiten möchte. Die Anschaffung lohnt sich definitiv – eventuell gemeinsam mit Freunden, um die Kosten zu teilen.

Die zweite Hauptzutat des Mixes besteht aus den Hefe- und Biertreber-Pellets, die ebenfalls fein gemahlen werden müssen. Alternativ kann man auch inaktive Futterhefe verwenden, allerdings sind die gemahlenen Pellets günstiger und bieten zusätzlich den Vorteil, dass sie auch direkt im Futterteppich eingesetzt werden können.

Vervollständigt wird der Mix mit Hartweizengrieß und Magermilchpulver. Die Gesamtkosten liegen bei einer Produktion von etwa 10 kg Mix unter 3 € pro Kilo.

Das Rezept:

  • 30 % fermentiertes Maisflockenmehl
  • 30 % Hefe- & Biertreber-Pelletmehl
  • 30 % Hartweizengrieß
  • 10 % Magermilchpulver

Wie bereits erwähnt, lässt sich dieses Mix auf verschiedene Arten interpretieren. Besonders empfehlenswert ist eine Bananen-Version auf Esterbasis, die sowohl bei Karpfen als auch bei Graskarpfen hervorragend funktioniert.

Als Roll-Liquid empfehle ich Maltodex, ein stabilisiertes fermentiertes Malzprodukt aus dem Tierfutterbereich. Alternativ kann auch CSL (Corn Steep Liquor) verwendet werden, das in spezialisierten Bait-Shops erhältlich ist, allerdings etwas teurer ausfällt.

Oder ihr verarbeitet die zuvor aufgefangene Fermentationsflüssigkeit weiter und verwandelt sie in ein extrem attraktives Liquid Food.

Dafür wird die Flüssigkeit zunächst langsam eingekocht, bis etwa die Hälfte des Wasseranteils verdampft ist. Nach dem Abkühlen werden frische Bäckerhefe im Verhältnis von 100 Gramm pro 100 ml, 5 Gramm Bromelain pro Kilo sowie 10 % Salz hinzugefügt. Danach lässt man alles sorgfältig weiter vorgären und fermentieren.

Für die Boilies mischt ihr 1 kg Base Mix mit:

  • 100 ml Maltodex (oder CSL bzw. selbst hergestelltem Ferment-Liquid)
  • 5 Tropfen Ethylacetat
  • 3 Tropfen Buttersäure

Halbe Dosierung Intensiv-Süßstoff

Unten findet ihr die Bilder der verschiedenen Fermentationsphasen der Maisflocken.

 

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